Haus mit einem Keller bauen?

Hausbau mit KellerAngesichts dessen, dass Bauplätze fast überall in Deutschland immer teurer werden, wird von vielen Bauherren die Frage „Brauche ich wirklich einen Keller!“ mit „Ja!“ beantwortet. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt ist in der Regel klar, ob das Kellergeschoss als Wohn- oder Nutzfläche erstellt werden soll. Diese Klarheit ist auch nötig, denn je nach Nutzungsart müssen unterschiedliche bauliche Voraussetzungen erfüllt sein, die sich unmittelbar auf die Baukosten auswirken. Ein gutes Argument für den Bau eines Kellers kann auch ein sehr kleines Grundstück oder ein sehr hoher Grundstückspreis sein. In diesen Fällen kann auf das sehr verbreitete Gartenhäuschen verzichtet werden, das häufig zur Aufbewahrung von Gartengeräten oder –möbeln oder für Fahrräder verwendet wird, jedoch im Garten Platz wegnimmt. Aus bauphysikalischer Sicht sprechen Fachleute einem Keller die Wirkung eines „Klimapuffers“ und einen besseren Schallschutz zu. Soll ein barrierefreies Haus gebaut werden, ist ein Keller nur mit einem teuren Treppenlift nutzbar. Bauherren, denen Barrierefreiheit wichtig ist, sollten daher lieber einen ausreichend großen Bungalow bauen und auf einen Keller verzichten.
Es ist kaum möglich, eine klare Empfehlung für oder gegen einen Keller auszusprechen. Die jeweiligen Voraussetzungen und Möglichkeiten beim Bau eines Hauses sind zu unterschiedlich, um eine belastbare Aussage zu treffen. Wir können und wollen Ihnen die Entscheidung pro oder kontra Keller nicht abnehmen, jedoch über die Bauweisen und Nutzungsarten beim Kellerbau informieren. Besprechen Sie Ihre Vorstellungen und Pläne mit einem unserer Architekten oder Bauberater. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Aspekte werden wir Ihnen gern einen fachkundigen Rat geben.

 

Das kostet der Keller

An der Einschätzung, mit welchen Baukosten für einen Keller gerechnet werden muss, scheiden sich die Geister. Klar ist: Die Kosten sind abhängig von der Größe und dem Ausbauumfang eines Kellers. Zahlreiche Experten sind sich darin einig, dass in einem Einfamilienhaus durchschnittlicher Größe zwischen 40.000 und 80.000 Euro einkalkuliert werden müssen. Als Faustregel gilt: Bauherren sollten für die Erstellung des Untergeschosses etwa 5 bis 15 % der Baukosten ansetzen. Das Institut für Bauforschung in Hannover ermittelte im Vergleich zu einem Haus mit einer Bodenplatte hingegen Mehrkosten zwischen 180 und 425 Euro pro Quadratmeter. Es verglich dabei die Varianten Einfamilienhaus (EFH) mit Keller im Grundwasser, EFH mit Keller und dem Lastfall Bodenfeuchte sowie EFH mit Bodenplatte (ohne Keller). Das ist in jedem Fall viel Geld, das das ohnehin meist knappe Budget belastet. Immobilienexperten weisen allerdings darauf hin, dass ein Keller den Wiederverkaufswert eines Eigenheims steigert und sich deshalb auch die Kreditkonditionen verbessern. Dieser Umstand lässt sich jedoch nur schwer in konkreten Zahlen abbilden.

 

Die Bauweisen beim Kellerbau

Ist die Entscheidung für einen Keller gefallen, muss kurz darauf die nächste getroffen werden: die hinsichtlich der Bauweise. Dabei wird grundsätzlich zwischen einem gemauerten und einem Betonkeller unterschieden. Bei einem hohen Grundwasserstand oder drückendem Grundwasser wird ein Statiker immer einen Stahlbetonkeller empfehlen. Unter Baufachleuten ist dabei immer wieder von „Wannen“ die Rede. Dieser Begriff fällt im Zusammenhang mit der Abdichtung von Kellern: Damit sind keine tatsächlichen Behälter gemeint; der Begriff ist bildlich zu verstehen als etwas, das wie eine Wanne um den Keller herum ist und ihn vor Feuchtigkeit schützt.

Der gemauerte Keller

Der gemauerte Keller ist die am häufigsten gebaute Kellervariante. Dieser Keller lässt sich in kurzer Zeit herstellen und wird aus nach DIN genormten Mauersteinen gefertigt. Sie bestehen aus Beton, Leichtbeton, Porenbeton, Kalksandstein oder Ziegel und werden mit Mörtel verbunden.
Da eindringende Feuchtigkeit eine große Gefahr für die Bausubstanz werden kann, wird der Übergang von der Betonplatte und dem Mauerwerk mit einer PE-Folie abgedichtet. Bevor die Abdichtung angebracht wird, muss das Mauerwerk akribisch nach Rissen abgesucht werden. Dabei werden auch kleinste Fugenöffnungen mit Mörtel geschlossen. Auf dem Keller liegt das Gewicht des Hauses sowie seitlich der Druck des Erdreichs. Um sicherzugehen, dass die Standfestigkeit des Kellers ausreicht, um diesen Belastungen dauerhaft standzuhalten, sollte zur Überprüfung ein Statiker hinzugezogen werden. Wenn die statische Überprüfung erfolgreich abgeschlossen ist, wird die Kellerdecke betoniert und anschließend das Erdreich verfüllt. Eine Variante des gemauerten Kellers sind sog. Mauertafeln. Sie werden aus hochdämmenden Steinen in einer Fabrik hergestellt und benötigen deshalb keine zusätzliche Wärmedämmung. Mauertafeln tragen zu einer deutlichen Verkürzung der Kellerbauzeit bei.

Die schwarze Wanne

Der Schutz gegen von außen in den Keller eindringende Feuchtigkeit wird durch einen mehrlagigen Anstrich aus einer Bitumendickbeschichtung gewährleistet. Alternativ können auch Bitumenbahnen verwendet werden. Wegen der tiefschwarzen Farbe wird diese Form der Abdichtung auch als „Schwarze Wanne“ bezeichnet. Die Bitumenschicht muss anschließend noch gegen Beschädigungen wie z. B. spitze Steine im Erdboden geschützt werden. Dieser Schutz wird sehr gut mit für diesen Zweck hergestellten Kunststoffnoppenbahnen erreicht, die eine druckverteilende Wirkung haben. Den gleichen Zweck erfüllen jedoch auch Perimeterdämmplatten, die gleichzeitig eine wärmedämmende Wirkung haben. Sofern nötig, sollte für eine Dränage gesorgt werden. Sie wird gebraucht, wenn mit drückendem Wasser gerechnet werden muss, das die Kellerwände belasten könnte.

Stahlbetonkeller („Weiße Wanne“)

Stahlbetonkeller werden entweder direkt an der Baustelle oder aber als Fertigteile in der Fabrik hergestellt. Da solch ein Keller sehr helle Wände hat, ist er auch unter der Bezeichnung „Weiße Wanne“ geläufig. Dieser Kellertyp ist sehr belastbar und besteht aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton). Er eignet sich deshalb auch ohne eine zusätzliche Abdichtung für Baugebiete mit einem relativ hohen Grundwasserspiegel. Die Herstellung setzt große Präzision voraus, bei einer optimalen Planung können jedoch im Vergleich zu einem gemauerten Keller Zeit und Kosten gespart werden. Die frühere Annahme, dass bei einer Weißen Wanne ein dauernder Feuchtigkeitstransport aufgrund von Druckgefällen, Diffusion oder einer kapillaren Saugfähigkeit stattfindet, ist mittlerweile widerlegt. Sofern die Betonteile eine Mindestdicke von 24 cm (Beanspruchungsklasse 1, s. u.) aufweisen, ist dieser Effekt nicht zu befürchten. Auch eine zusätzliche Drainage ist nicht nötig. Damit erübrigen sich auch immer wieder durchgeführte Vorsichtsmaßnahmen gegen diffundierende Feuchtigkeit, indem auf die „Weiße Wanne“ mittels Bitumenbahnen eine zusätzliche „Schwarze Wanne“ aufgebracht wurde. Ansonsten richtet sich die Mauerdicke eines Stahlbetonkellers ebenfalls nach den Berechnungen eines Statikers.

Das ist bei einem Stahlbetonkeller (Weiße Wanne) besonders zu beachten:

Seit Juli 2017 gilt hinsichtlich der Kellerabdichtung die DIN 18533, der wir uns unter https://www.keller-bauen.de/kellerabdichtung-din18533.html widmeten.

Stahlbetonkeller als „Braune Wanne“

Auch die Braunen Wannen haben ihren Namen wegen ihrer Außenfarbe erhalten. In diesem Fall geht die Farbbezeichnung auf die Bentonitmatten zurück, mit denen die gesamte Betonhülle des Kellers belegt wird. Dabei verbindet sich das Dichtmaterial mit dem Frischbeton der Tragstruktur, da die Dämmmatten vor den Betonierarbeiten verlegt werden. Bei Bentonit handelt es sich um ein Gestein, das sich aus unterschiedlichen Tonmineralien zusammensetzt. Es zeichnet sich durch seine sehr hohe Quellfähigkeit aus, die auf den Hauptbestandteil Montmorillonit, ein Schichtsilikat, zurückzuführen ist. Seinen Namen hat Bentonit von der ersten kommerziell betriebenen Bentonit-Mine in Fort Benton (Wyoming, USA). Bentonit wird chemisch unverändert in die geotextilen Träger eingewebt, enthält weder Bitumen noch Lösungsmittel und ist deshalb ökologisch unbedenklich.

 

Wohn- oder Nutzkeller? Antworten auf eine Grundsatzfrage:

Im Zentrum steht die Überlegung, wofür ein Keller genutzt werden soll.


Mit einem Wohnkeller den Freiraum vergrößern

Ein Wohnkeller ist vielfältig nutzbar: In ihm kann beispielsweise eine Einliegerwohnung entstehen, die als Vermietungsobjekt Geld zur Hausfinanzierung beisteuert oder auf mittlere oder längere Sicht als separates Domizil für die erwachsenen Kinder oder die eigenen Eltern dienen kann. Aber auch ein Gästezimmer, ein Partykeller, eine Sauna oder ein Hobbyraum lassen sich gut in einem Wohnkeller unterbringen. Doch an diesen Kellertyp werden deutlich erhöhte bauliche Anforderungen gestellt: Die einzelnen Landesbauordnungen schreiben genau vor, welche Bedingungen ein so konzipiertes Untergeschoss erfüllen muss, um als Wohnraum gelten zu dürfen. Außerdem müssen wie für jeden anderen Wohnraum die Vorgaben der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) eingehalten werden, die insbesondere hinsichtlich der Wärmedämmung einige Anforderungen stellt.
Im Wesentlichen sollten sich Bauherren auf diese Kriterien einstellen, die es zu erfüllen gilt:

Diese Bedingungen, die in den 16 Landesbauordnungen festgeschrieben sind, machen einen Wohnkeller deutlich teurer als einen Nutzkeller. Das Baurecht des Bundes sieht außerdem für Einliegerwohnungen vor, dass diese eine geschlossene Einheit mit einem separaten Zugang und einer eigenen Erschließung sein müssen. Auch ein Fluchtweg, der zusätzlich zum Wohnungszugang geschaffen werden muss, ist obligatorisch. Dabei sind die Mindestvorgaben für Fluchtwege einzuhalten. Dies alles sind Gründe, sich die Entscheidung hierüber nicht leicht zu machen und fachlichen Rat einzuholen.

Die wichtigsten Überlegungen für einen Nutzkeller

Ein Keller eignet sich jedoch auch gut als Nutzkeller für die Aufnahme der haustechnischen Anlagen, die sonst innerhalb der Wohnräume störend wirken könnten oder für die ein eigener kleiner Raum benötigt werden würde. Nicht zuletzt sind dort auch gut Haushaltsgeräte untergebracht, die in der Küche oder im Bad durch ihre Geräuschentwicklung auffallen könnten. Das trifft vor allem auf Waschmaschinen und Wäschetrockner zu. Wird der Keller als Lager- und Abstellraum gebraucht, sollte der zu erwartende Platzbedarf realistisch überschlagen werden. Hierfür gibt es Richtwerte, die sich dazu eignen, den tatsächlichen Bedarf an (Keller-) Raum in laufenden Metern zu ermitteln.

Hier einige Beispiele:

Diese Überlegungen sollten auch in die Zukunft gehen und einschätzen, welcher Bedarf an Stauraum in fünf oder 15 Jahren entstehen könnte. Fachleute raten in der Regel, dass ein Nutzkeller nicht nötig ist, wenn lediglich bis zu acht Schrankmeter benötigt werden. Diesen Platz kann man an anderer Stelle kostengünstiger bereitstellen:

Hinweis:
Sie finden auf der Website https://www.keller-bauen.de ausführlichere Hinweise zum Kellerbau.


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