Hausbau als Fertighaus oder Massivhaus?

Massivhaus - FertighausWer den Bau eines neuen Eigenheims plant, der muss viele wichtige und für die Zukunft wegweisende Entscheidungen treffen. Besonders die grundsätzliche Frage, ob das Haus in Fertigbauweise oder als Massivhaus errichtet werden soll, ist von großer Bedeutung. Hier gilt es, genaue und fachlich fundierte Informationen einzuholen. Da diese Entscheidung zu Beginn der Planung getroffen werden muss und Auswirkungen für die nächsten Jahrzehnte mit sich bringt, sollten alle Faktoren berücksichtigt und gut durchdacht werden. Betrachtet man alle privaten und öffentlichen Neubauten der vergangenen zwei Jahre, so wird ersichtlich, dass Fertighäuser hier lediglich einen Marktanteil von ca. 16 % belegen. Wer sich mit der Thematik beschäftigt, wird mit immer wiederkehrenden Positivargumenten für ein Fertighaus konfrontiert. Dennoch ist den Anbietern von Häusern in Fertigbauweise bis heute kein ernst zu nehmender Durchbruch gelungen. Es lohnt sich also, die Aussagen der Fertighausfirmen einmal genau zu analysieren und zu prüfen, ob sie einem Vergleich zum Massivhaus standhalten.

 

Argumente der Fertighausanbieter

Interessenten, die ein Haus bauen möchten, werden durch die Fertighausanbieter häufig mit immer denselben Argumenten konfrontiert. Für den Bau eines Fertighauses sprechen angeblich:

 

Halten diese Argumente einem direkten Vergleich zum Massivhaus stand?

Der Preis

Vor 20 Jahren mag es durchaus noch gestimmt haben, dass ein Fertighaus günstiger zu bauen war als ein Massivhaus. In der heutigen Zeit ist diese Aussage jedoch nicht mehr haltbar. Die modernen Fertighäuser haben preislich sehr angezogen und befinden sich weitestgehend auf dem Niveau eines Massivhauses. Dies liegt darin begründet, dass Fertighäuser heute eine wesentlich höhere Qualität aufweisen und nach anderen Maßstäben gebaut werden als vor vielen Jahren. Punkte wie Wärmeschutz, Trittschall- und Schallschutz haben heute einen anderen und deutlich höheren Stellenwert als in den 1950er- und 1960er-Jahren. Hier wurde im Laufe der Zeit sehr viel nachjustiert und verbessert, sodass die Kosten für ein Fertighaus parallel zu den neuen Entwicklungen merklich angezogen wurden.
Gelegentlich sind aber auch heute Angebote für Fertighäuser zu einem Preis von 80.000,-- Euro zu finden. Solche Angebote klingen verlockend, sollten jedoch bis ins kleinste Detail geprüft werden. Schnell wird klar, dass solch ein Preis an sehr viele Bedingungen gekoppelt ist. Jeder Extrawunsch, sei es das Versetzen einer Wand oder auch nur das Hinzufügen einer weiteren Steckdose, verursacht zusätzliche Kosten. Die Vorgaben der Fertighausfirma sind festgesetzt, jeder zusätzliche Handschlag kostet auch zusätzliches Geld. Individuelle Anpassungen sind somit ausgeschlossen bzw. nur mit erheblichen Zusatzkosten realisierbar.
Im Gegensatz dazu ist der Bau eines Massivhauses wesentlich flexibler. Änderungen am Grundriss und Anpassungen, die den Wünschen und Bedürfnissen des Interessenten entsprechen, können hier ohne zusätzliche Mehrkosten eingeplant und problemlos umgesetzt werden.

❖ Das Argument „Preis“ ist damit widerlegt.

 

Die Bauzeit - Fertighaus

Beim Bau eines Fertighauses werden, wie der Name schon vermuten lässt, vorgefertigte Teile zur Baustelle transportiert und vor Ort zusammengesetzt. Hausbaufirmen behaupten, dass ein Fertighaus schneller und zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt fertiggestellt werden kann. Wie lange die Bauzeit tatsächlich beträgt, ist jedoch von einigen Faktoren, die nur bedingt im Vorfeld genau bestimmt werden können, abhängig. Während die Teile für das neue Eigenheim produziert werden, müssen auf dem zu bebauenden Grundstück Vorbereitungen getroffen werden. Eine dem neuen Haus angepasste Baugrube muss ausgehoben werden. Soll das Haus über einen Keller verfügen, so muss dieser vorab gefertigt werden. Im Anschluss wird das Fundament betoniert und muss trocknen.
Die Trocknungszeiten von Estrich und Bodenplatte unterschieden sich an dieser Stelle nicht von der, die ein Massivhaus für die Trocknung benötigt. Es ist diesem Fall der gleiche Arbeitsschritt. Witterungseinflüsse, wie Dauerregen oder Frost, können den Prozess an dieser Stelle verzögern. Auch im Fertigungswerk der Einzelelemente können Zeitverzögerungen entstehen. Krankheitsfälle, Urlaubszeiten und andere Gründe für einen Personalmangel sind nicht kalkulierbar und können den Terminplan aushebeln. Bekommt der Hersteller zusätzliche Aufträge übertragen, so kann ebenfalls das eigene Projekt in Verzug geraten. Hat ein Kunde individuelle Wünsche und möchte beispielsweise von den Standardmaßen für Fenster oder Türen abweichen, so benötigt die Herstellung dieser Teile mehr Zeit als üblich. Auch der Transport aller Einzelteile zur Baustelle muss perfekt koordiniert sein, um den Terminplan einhalten zu können. Trifft keiner dieser möglichen und aufhaltenden Faktoren ein und ist damit ein absolut reibungsloser Ablauf gewährleistet, dann kann ein Fertighaus tatsächlich in nur wenigen Tagen aufgestellt werden. Ist das Fertighaus gebaut, so kann im Anschluss mit dem Innenausbau begonnen werden.

Die Bauzeit - Massivhaus

Die Bauzeit für ein Massivhaus hängt von erheblich mehr Kriterien ab als die Errichtung eines Fertighauses. Entscheidend ist hier, neben der Größe und der Ausstattung des Neubaus, auch die Jahreszeit zu Beginn der Baumaßnahmen. Als Richtwert kann davon ausgegangen werden, dass sich ein freistehendes Einfamilienhaus im Durchschnitt innerhalb eines halben Jahres bauen lässt. Ein wichtiger Faktor ist hier, dass das Massivhaus wesentlich mehr Trocknungstage benötigt. Diese müssen in die Bauplanung des Hauses einkalkuliert werden. Alleine der Innenputz benötigt ca. 14 Tage für einen abgeschlossenen Trocknungsprozess. Diese Zeit in Kauf zunehmen, lohnt sich jedoch. Die Wände sind gleichmäßig stabil, und es können auch schwere Gegenstände, wie Vitrinen und Küchenschränke, problemlos befestigt werden. Die Tragfähigkeit ist überzeugend und stellt einen deutlichen Vorteil dar. Die längere Wartezeit, die für die Trocknungstage eines Massivhauses eingeplant werden müssen, stellen also nur bedingt einen minimalen Nachteil dar. Die daraus resultierenden Vorteile überwiegen bei Weitem.

❖ Das Argument „Bauzeit“ stimmt somit nur bedingt.

 

Transparenz der Informationen durch einen einzigen Ansprechpartner

Fertighausfirmen werben häufig damit, dass Kunden nur einen Ansprechpartner haben, bei dem alle Informationen konzentriert gesammelt werden. So ist bei Fragen oder Unstimmigkeiten nur eine einzige Person zu kontaktieren. Diese ist über alle laufenden Prozesse und Aufgaben im Bilde und kann kompetent Auskunft geben. Die Informationswege werden so kurz wie möglich gehalten, Verantwortlichkeiten werden gebündelt, Angelegenheiten können schnell und effektiv geklärt werden.
Beim Bau eines Massivhauses hängt es von der Vorgehensweise des Bauherrn selbst ab, wie viele Ansprechpartner für ihn wichtig und von Bedeutung sind. Beauftragt der Bauherr selbst Firmen, die bestimmte Aufgaben oder Bauprozesse übernehmen, dann sind tatsächlich mehrere Ansprechpartner bei Rückfragen zu konsultieren. Dies setzt auch voraus, dass der Kunde selbst häufig auf der Baustelle ist, um die Entwicklungen zu beobachten und zu kontrollieren. Diese Vorgehensweise kostet jedoch viel Zeit und setzt ein stabiles Nervenkostüm voraus. Doch das muss nicht sein! Viel einfacher ist es, entweder einen Architekten oder eine Hausbaufirma mit der Planung, Durchführung und Überwachung des Neubaus zu beauftragen. In diesem Fall laufen ebenfalls alle Informationen bei einem einzigen Ansprechpartner zusammen. Trotzdem steht es natürlich jedem Bauherrn frei, sich vom Fortschritt der Bauarbeiten vor Ort persönlich ein Bild zu machen und Einfluss zu nehmen.

❖ Das Argument „Ansprechpartner“ ist somit ebenfalls widerlegt.

 

Ein zusätzlicher Aspekt - der Wert des Hauses

Die Hauptargumente, mit denen Fertighäuser gerne angepriesen werden, sind eindeutig widerlegt. In allen Punkten kann der Bau eines Massivhauses mithalten oder mit zusätzlichen Vorteilen sogar übertreffen. Es gibt jedoch noch einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt, der bei der Entscheidung pro oder kontra Fertighaus berücksichtigt werden sollte. Einem Massivhaus wird aufgrund der Bauweise eine wesentlich längere Lebensdauer zugesprochen. Dies bedeutet auch einen höheren Wert bei einem eventuellen Wiederverkauf. Daher erklärt es sich auch, warum Banken Massivhäuser gern zu günstigeren Konditionen beleihen.

 

Die Bauweisen

So wird ein Fertighaus gebaut

Ein Fertighaus wird wie ein Bausatz aus vorgefertigten Teilen zusammensetzt. Die Basis bildet hier eine Grundkonstruktion aus Holz. An dieser werden dann die einzelnen Elemente befestigt. Es gibt unterschiedliche Bauweisen zu diesem Konzept: die Holztafelbauweise, den Holzrahmenbau, die Holzblockhäuser und die Holzskeletthäuser. Bei allen ist das Grundprinzip gleich, jedoch unterscheiden sie sich etwas im Aufbau, der Struktur und den einzelnen Arbeitsabläufen. Der Grundriss ist bei einem Fertighaus fest vorgegeben. Änderungen und Anpassungen sind entweder nur gegen entsprechende Mehrkosten oder in vielen Fällen bautechnisch leider gar nicht möglich.


So wird ein Massivhaus gebaut

Ein massiv gebautes Haus besteht aus Beton oder Stahlbeton und aus Mauerwerk. Stück für Stück und Stein auf Stein wird dieses Mauerwerk errichtet. Sowohl die komplette äußere Hülle des Hauses als auch die tragenden Wände werden aus massiven Baumaterialien gefertigt. Hierfür kommen in der Regel Kalksandstein, Ziegel und Porenbeton infrage. Diese Baustoffe vereinen viele positive Eigenschaften. So können sie in den Punkten Wärmedämmung, Festigkeit und Langlebigkeit vollkommen überzeugen. Auch beim Brand- und Schallschutz kann sich auf diese Materialien verlassen werden. Da alle Steine einer festgelegten Norm entsprechen, lassen sie sich problemlos und komfortabel zu einem stabilen Mauerwerk zusammenfügen. Sie sind passgenau und lassen sich mit nur geringen Mengen Mörtel verarbeiten. Die Natur liefert hier die Grundmaterialien, denn Ton, Kalk und Gips sind völlig natürliche Baustoffe, die sich zum Bau eines Massivhauses perfekt eignen.

Ein Massivhaus bietet noch viele weitere Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Das neue Eigenheim kann völlig frei aufgeteilt und kreativ gestaltet werden. Der Fantasie sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt. Auch nach Fertigstellung des Hauses können Änderungen vorgenommen werden. Der Grundriss des Gebäudes kann angepasst werden, nicht-tragende Wände können entfernt, neue Wände können gezogen werden. Ändern sich die Lebensbedingungen, so kann auch das Massivhaus verändert werden. Alle Wünsche und Bedürfnisse können zu jedem Zeitpunkt berücksichtigt werden. Das Massivhaus bleibt in diesem Punkt immer flexibel.


Hauseigenschaften im Direktvergleich

Wärmeschutz

 

Schallschutz

 

Luftdichtheit

 

Brandschutz

 

Nachhaltigkeit

 

Gesundheit

 

Fazit

Anhand der hier aufgeführten Argumente lässt sich schnell feststellen, dass jede der beschriebenen Bauweisen mit Vor- und Nachteilen behaftet ist. Insoweit lässt sich eine eindeutige Empfehlung zu einer bestimmten Bauweise nicht geben. Sie müssen als Bauherr selbst entscheiden, ob Sie Ihre Wohnvorstellungen eher mit einem Fertighaus oder einem Massivhaus realisieren können. Allerdings spricht die Robustheit und Unempfindlichkeit der Massivhäuser eher für den Massivbau. Holzhäuser zum Beispiel sind deutlich anfälliger gegen einen Befall durch Ungeziefer und auch ein Wasserschaden hat für ein Fertighaus weitaus größere Folgen als für ein Massivhaus. Auch hinsichtlich der Nutzungsdauer liegt der Vorteil in der Massivbauweise. So haben Massivhäuser eine prognostizierte Nutzungsdauer von 100 Jahren, während für Fertighäuser 60-90 Jahre angenommen werden. Dies hat natürlich Einfluss auf den Wiederverkaufswert von Fertighäusern. Auch wenn im Einzelfall die Zahlen anders aussehen mögen, erzielt der Verkäufer eines Massivhauses einen wesentlich höheren Verkaufserlös.


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